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Mein Weg zum Traumberuf Tätowierer

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© Grit Hartung

Mein Weg zum Tätowieren


Wie ich zu meinem Traumberuf Tätowiererin fand
Es vergeht kaum ein Tattootermin ohne diese Frage ‘… und wie bist Du zum Tätowieren gekommen?’ Die Antwort darauf fällt bei jedem einzelnen Tätowierer anders aus, denn wir haben keine anerkannte und geregelte Berufsausbildung. Hier erzähle ich euch von meinem Weg in die Welt von Tinte und Haut!

Ein großer Wunsch - aber zu wenig Selbstvertrauen
Ich habe schon immer viel und gern gezeichnet. Papier und Stift sind meine liebsten Ausdrucksmittel, seit ich denken kann. Noch vor dem Abitur kam mir der Gedanke, ich könne doch Tätowierer werden - jedoch gab es zu der Zeit in der ostfriesischen Provinz, in der ich aufwuchs, kein annähernd respektables Studio. Mit meinen Bildern bis nach Hamburg in die bekannten Tattooläden zu gehen - dazu reichte mein Selbstvertrauen nicht aus. Mir von irgendwoher eine Maschine zu besorgen und einfach anzufangen, wie so viele zu dieser Zeit, das war für mich nie eine Option.

Goldschmiedejahre
Mir war nach einem kurzen Ausflug ins Sprachenstudium (ein halbes Semester habe ich immerhin ausgehalten) schnell klar, dass ich etwas Kreatives machen muss. Verzweifelt bewarb ich mich recht spät im Jahr für die letzten Ausbildungsplätze zum August - und hatte Glück mich aus 200 Bewerbern durchzusetzen!

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Meine Goldschmiedelehre machte mir große Freude und auch später, in meiner Gesellenzeit, war ich glücklich in meinem Beruf. Ich arbeitete für einen Schmuckhändler, dessen Werkstatt ich leiten durfte, zusätzlich verkaufte ich Schmuck auf Mittelaltermärkten in ganz Deutschland. Nach ein paar Jahren jedoch stieß ich immer mehr an kreative Grenzen mit meinen Edelmetallen und merkte: Das allein ist es noch nicht!

Umwege führen auch zum Ziel.
Ein persönlicher Lebensumbruch führte mich nach 7 Goldschmiedejahren fort aus Norddeutschland und ins grüne Thüringen. In Erfurt wollte ich es noch einmal mit einem Studium probieren. Vom Studiengang Konservierung/ Restaurierung versprach ich mir, viel altes Handwerk und Kunstfertigkeit zu lernen.
Zur selben Zeit lernte ich Pit als Tätowierer und Künstler kennen und mit ihm eine ganz neue Tattoowelt. Zu meiner Abizeit im tiefsten Ostfriesland waren Fantasy - Drachen und Tribals en vogue. Nun wurde mir klar: Man kann ja genau so tätowieren, wie man auch zeichnet! Ich war völlig verzaubert.

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© Nilz Böhme

Schon im ersten Semester war ich enttäuscht vom Studium. Am meisten Freude machten mir die Zeichenstunden, die ich bei Pit nahm. Es dauerte nicht lang, da nervte ich ihn immer wieder: ‘Kannst Du mir nicht das Tätowieren beibringen?’ Er hielt mich hin: ‘Du musst erst zeichnen lernen!’
Dann wurde spontan in einem Studio, in dem er als Gasttätowierer arbeitete, ein Lehrling gesucht und er schickte mich dorthin: ‘Das könnte gut passen!’ Ich war völlig unvorbereitet. Bis dato hatte ich noch keine einzige Tattoovorlage gezeichnet. Eine zusammengeworfene Mappe mit Kohlezeichnungen von Rehen und Füchsen war das Einzige, was ich zum Vorstellungsgespräch mitbringen konnte.

Wiederstände meistern
Ich kann bis heute nicht genau sagen, warum ich diese Lehrstelle bekam. Vielleicht nur wegen der guten Empfehlung von Pit. Vielleicht auch wegen meiner Beharrlichkeit: Als mein zukünftiger Lehrmeister mir offen sagte, dass er von der Qualität meiner Arbeiten nicht überzeugt sei, gab ich mich nicht geschlagen. Ich fragte stattdessen, was er von mir sehen wollte. Ich bekam ‘Hausaufgaben’ und kam in der nächsten Woche mit Tattoovorlagen von Kois und Nachzeichnungen japanischer Meister in das Studio. Danach schrieb ich Erinnerungsemails. Bis ich schließlich doch ein Praktikum angeboten bekam.
Am Ende die Frage: ‘Warum willst Du Tätowierer werden?’ Meine Antwort: ‘Ich liebe dieses Handwerk und die Faszination lässt mich nicht mehr los’. Das war anscheinend die Richtige.

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© Grit Hartung

Eine Ausbildung zum Tätowierer
1,5 Jahre blieb ich in dem Studio und lernte alle hygienischen und handwerklichen Aspekte von der Pieke auf. Meine Tattooausbildung war noch oldschool - die Erste im Laden, die Letzte, die geht. Nicht ohne vorher Wischer und Putzeimer geschwungen zu haben.
Unzählige Stencils für Backpieces habe ich für meinen Lehrmeister gemacht, Arbeitsttische abgeräumt, Griffe gereinigt und sterilisiert. Unzählige Stunden schaute ich dem Meister über die Schulter, wie die Nadel in die Haut dringt, mit welchem Winkel von Hand und Maschine Linien gezogen, Schatten tätowiert werden. Fragte Löcher in Tätowiererbäuche, welche Nadeln für was benutzt werden und welche Farben man kombiniert, um welchen Effekt zu erreichen.
Nach drei Monaten durfte ich dann schon selbst an die Maschine, zuerst bei mir selbst, das ist Ehrensache. Freiwillige fanden sich dann glücklicherweise zahlreich und ich bekam schell eine Routine.

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© Grit Hartung

Man lernt nie aus
Seitdem habe ich in 6 weiteren Studios als Gasttätowierer gearbeitet und dadurch unheimlich viel gelernt. Vor allem eines: es gibt nicht DEN EINEN Weg. Das Tätowierhandwerk ist das wohl umfassendste und individuellste Kunsthandwerk, das es gibt.
Keine Haut ist gleich und jede Körperstelle anders. Dasselbe Motiv lässt sich auf unzählige Arten künstlerisch und handwerklich interpretieren. Dabei findet jeder seinen eigenen Weg - und entwickelt ihn kontinuierlich weiter.

Zwei Dinge jedoch sollten für jeden Tätowierer gelten:
  • Die hygienische Ausbildung (zusätzlich zu meiner Lehre habe ich ein Hygienezertifikat über einen Kurs vom DOT - Deutsche organisierte Tätowierer erworben)
  • Die handwerklichen Grundlagen - denn nur darauf kann man echte Kunstfertigkeit aufbauen.
Als Tätowierer muss ich mein Werkzeug und mein Medium genau kennen - denn bei Tattoos gibt es keine Kompromisse.

Mein Tipp:
Wenn ihr Tätowierer werden möchtet - sucht euch ein erstklassiges Studio und lasst euch ausbilden. Ihr tragt als Tattooartist eine unglaublich große Verantwortung euren Kunden gegenüber. Bitte tut euer Bestes, um dem gerecht zu werden und schafft euch ein gutes Fundament für eure Kunst.
Ich profitiere jeden Tag von den Grundlagen und der Routine, die ich in meiner Ausbildung lernen durfte.
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